Aufgetischt: Volkstümlicher Gourmet-Tempel

Bericht in der Bund Zeitung

Sommerabend auf  der ländlich gemütlichen Terrasse 

Es ist manchmal schon seltsam: Da nimmt man jeden Herbst beim Erscheinen des neuen Gastroführers zur Kenntnis, dass Freudigers Hardern Pintli in Lyss wiederum mit 13 Punkten ausgezeichnet worden ist.

Aber man war noch nie da und nun gleich zweimal innert weniger Tage. Das erste Mal war es ein Familienanlass, doch heute sind wir in offizieller Mission hier.

Judith Estermann, die Patronne, hat uns schon am Telefon beim Entgegennehmen der Reservation gefragt, ob es etwas zu feiern gebe.

Nein, wir kommen einfach so. Aber die Frage ist gut: In manch anderen Beizen kann man dreimal betonen, dass es der 100. Geburtstag von Onkel Alfons sei oder ein Festessen für die promovierte Tochter – es wird einfach überhört. Ignoriert wird im Pintli niemand.

Nicht nur die Chefin hat alles im Auge, auch ihre dienstbaren Geister sind aufmerksam, auch wenn sie ihre Namensschilder als «Praktikantin» oder «in Ausbildung» ausweisen.

Weil sich der Sommer noch einmal richtig aufbäumt, sitzen wir am Abend unter den Sonnenschirmen.

Hier hat das Restaurant etwas Volkstümliches, weshalb sich auch Familien mit Kindern oder Velofahrer gerne hier einfinden.

 

So schmeckt der Sommer

Bald steht unser Aperitiv auf dem edel gedeckten Tisch: «Houderbäseli» – Prosecco mit hausgemachtem Holunderblütensirup (Fr. 9.30), für die autofahrende Begleiterin ein Sommerzauber: Erdbeersirup mit Schweppes Tonic, Erdbeeren und Minze (Fr. 7.–).

Genauso muss der Sommer schmecken. Wir haben auch eine Literflasche Mineralwasser «mit Blööterli» bestellt, geliefert wird ein stilles Wasser. Das wird an diesem Abend das Einzige sein, worüber man meckern könnte – und darum lassen wir es ganz bleiben.

 

Dann gehts zu wie in der Schule: Die jungen Kellnerinnen stellen eine Schiefertafel neben den Tisch, auf der die Tagesspezialitäten notiert sind. Man kann auch aus der Karte auswählen.

Die Begleiterin nimmt den bunten Sommersalat an Erdbeerdressing mit Melonen und rosa gebratener Entenbrust (Fr. 18.–) serviert auf einem dreieckigen Glasteller – eine attraktive Vorspeise. Der Testesser macht auf Bescheidenheit und probiert eine Spezialität des Hauses:

Rüeblisalat mit Orangensaft und Rahm (Fr. 8.20).

 

Blüten und Kräuter aus dem eigenen Garten

Der milde Salat ist geformt wie ein Kuchen, Apfelschnitze und Brüsseler-Salat-Blätter geben dem Gericht eine verspielte Note, als wärs ein Osterhasengesicht. Als Zwischengang bekommt er – der Testesser, nicht der Osterhase – eine andalusische kalte Suppe: Gazpacho.

Gerne werden hier Gerichte mit Blumenblüten verschönert, die man selbstverständlich essen kann.

Man legt Wert auf regionale Produkte, weshalb die Felchen nicht aus Uganda stammen, «von Grimm», wie es auf der Tafel heisst, von Berufsfischer Remo Grimm aus Lüscherz. Der Fisch wird auf Risotto mit Spinat an einer Vin-jaune-Buttersauce serviert (Fr. 39.–).

Der Testesser findet das alles recht gut gewürzt, doch die Begleiterin findet es optimal.

Ihr Wein, ein Sauvignon blanc (Fr. 6.90/dl), riecht wie ein Blumensträusschen und passt gut zum Fisch.

 

Schweizer Fleisch und kräftiger Wein

Der Testesser wählt das Kalb­s­steak aus Mutterkuhhaltung mit Apfelcognacsauce und Apfelschnitzen, dazu Butterreis (Fr. 44.–),

ein sehr erfreu­liches Gericht, ebenfalls mit einer Blume «verziert».

Dazu gibts einen offenen, kräftigen, gut passenden Rotwein aus Argentinien (Fr. 8.90/dl).

Zum Dessert wünscht die Begleiterin «Brönnticreme mit Bärner Bräzeli» (Fr. 8.90), der Testesser Sommer-Mini: hausgemachte Joghurtglace

mit alkoholisierten Kirschen (Fr. 6.90). Die Glace ist erfrischend, aber nicht zu säuerlich.

 

Konstanz und Kreativität seit 10 Jahren 

Der Weiler Hardern ausserhalb von Lyss bekam erst 1919 ein Restaurant. Seit 2006 wirtet hier das Paar André Freudiger und Judith Estermann und bietet seither eine konstante Küchenleistung: kreativ, klar über dem Durchschnitt, etwas verspielt, aber nicht überkandidelt oder spektakulär.

 

Unkompliziert  und mit Spass an der Arbeit

Das verschachtelte Lokal verbindet geschmackvolle Einrichtung – viele Gemälde – und gehobene Gemütlichkeit mit volksnaher Unkompliziertheit. Das Serviceteam ist reizend und hat Spass an der Arbeit. Auch das dürfte ein Grund sein, weshalb so viele den Weg

in das abgelegene Lokal finden.

Gault Millau

Ein sicherer Wert

Das Hardern Pintli in ländlicher Umgebung oberhalb von Lyss ist ein sicherer Wert. Da treffen sich Ausflügler, Familien zum Fest und Geschäftsleute, die eine reelle Küche mit kreativen Ansätzen schätzen. Freundliche Gastgeber sind seit vielen Jahren die Freudigers.

Auf ihrer Karte stehen beliebte Klassiker und auf der Schiefertafel werden saisonale Kreationen angeboten.

Hausspezialität Stroganoff und saisonale Kreationen

Wir hielten uns wieder einmal an die Hausspezialität Stroganoff, die mit ausgewogener Würze, zart gegarten Fleischwürfeln und einer rassigen Paprikasauce überzeugte. Fein schmeckte auch die mit Honig und Lebkuchengewürz verfeinerte Entenbrust an Rahmsauerkraut und Kartoffelstock.

Liebe zum Wein zu anständigen Preisen 

Die grosse Weinkarte spiegelt die Liebe der Chefs zum Bordeaux und bietet Trouvaillen wie einen Chateau la Fleur de Boèard zu mehr als anständigen Preisen.

Wir vergeben 13 Punkte!

Guide Michelin

Charmant und gemütlich-rustikal

Richtig charmant ist es in dem hübschen Gasthaus mit den roten Fensterläden. Nebst dem gemütlich-rustikalen Restaurant bietet der neugebaute Wintergarten ein angenehm helles Ambiente, ideal für kleinere Gesellschaften.

Schmackhaft Gerichte,  herzlicher Service

Chef André Freudiger kocht schmackhafte Schweizer Gerichte mit traditionellen und saisonalen Einflüssen, für den herzlichen Service sorgt die Chefin Judith Estermann.

Trouvaillen im Weinkeller

Stolz darf man auch auf seinen Weinkeller sein: Trouvaillen sind hier z.B. Château Angélus sowie regionale Spezialitäten.

Gemütliche Lounge im Garten.

Der MICHELIN Teller: eine Küche mit guter Qualität; Qualitätsprodukte, fachkundig zubereitet: einfach ein gutes Essen!

 

Berner Bär